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In Typografie denken.

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Ein scheinbar unendlich kurzer Augenblick. Ein Wimpernschlag. Ein Atemzug. Milliarden von Synapsen und Nervenzellen analysieren die Form, Größe und Gestaltung eines Bildes, kombinieren diese Informationen mit bekannten Mustern aus der Vergangenheit. Muster werden zu Buchstaben. Buchstaben werden zu Wörtern. Wörter werden zu Sätzen. Und Sätze werden zu Geschichten. Ein Augenblick, den kein Computer nachbilden kann, den aber jeder Mensch mit jedem Blick erlebt – sein ganzes Leben lang.

Wie dieser Augenblick verläuft entscheidet der Gestalter: Durch die richtige Wahl der Schriftart. Denn nicht jede Schriftart funktioniert für jeden Zweck. So kann man Comic Sans gut für einen Kindergeburtstag verwenden, aber besser nicht für eine Todesanzeige. Die Ästhetik einer Schriftart steigt und fällt mit ihrem Verwendungzweck.

Doch obwohl sich viele Schriftarten ähnlich sehen, am klassischen Beispiel Helvetica und Arial, sind es die feinen Unterschiede zwischen diesen Schriftarten, die diese einzigartig machen. Unterschiede, die dem Leser nicht auffallen, aber dennoch wahrgenommen werden. Das beginnt bei Offensichtlichem, wie der abgeschrägten Kante des kleinen „t“ und endet bei unscheinbaren Feinheiten, wie der Form des Buchstaben „o“.

Wer sich häufig mit Schriftarten beschäftigt lernt diese Unterschiede kennen.  Man denkt nicht mehr an den eigentlichen Text, sondern an die verwendete Schriftart. Man sieht die Welt durch andere Augen. Statt Beachparty sieht man nur noch „Lobster Two“, statt dem hippen Startup-Namen sieht man nur noch „Montserrat“. Überall. Rund um die Uhr. Jederzeit. Es ist ein Segen – und ein Fluch.

In den vergangenen Jahren habe ich gelernt, diese Gabe zu schätzen. Eine Gabe, die man womöglich nie wieder loswerden kann. Und mit jedem Projekt lernt man neue Schriften kennen. Schriften, die genauso faszinierend und einzigartig sind wie der Mensch, der sie liest. Schriften, die uns zu dem machen, was wir sind: einzigartig.

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